Ende Juli soll das Startgatter fallen

19. Januar 2022

Zwei Jahre herrschte Ruhe „In den Horben“. Diese Durststrecke hat auf dem Schurwald die Sehnsucht nach MX-Atmosphäre und Motorenlärm noch verstärkt. Nun plant der MSC Aichwald für das Wochenende 23./24. Juli wieder ein Motocross. Doch die pandemische Ungewissheit bleibt.

 

Sie packen es wieder an, die Verantwortlichen beim MSC „Eiserne Hand“ Aichwald: Zweimal hatten sie in Pandemiezeiten das Motocross auf dem Schurwald abgesagt, nun ist es offenbar höchste Zeit, dass „In den Horben“ Lärm, Staub und Abgase wieder die Oberhand gewinnen. Zumindest an einem Wochenende: Am 23./24. Juli soll das Startgatter wieder fallen. Vorgesehen ist ein ausgesprochen breites Programm, allerdings gelang es im dichten Rennkalender nicht, auf der Strecke zwischen Schanbach und Aichschieß Läufe der ADAC MX Masters-Serie zu platzieren.

„Unser Ziel ist ein ganz normales Motocross, so, wie wir es kennen“, sagt Manuel Dorn. Dem Vorsitzenden des MSC Aichwald ist allerdings klar, dass diesem Wunsch die pandemische Ungewissheit gegenübersteht. Auch wenn die Prognosen auf eine sommerliche Entspannung hoffen lassen, so sind Zuschauer- und Zugangsbeschränkungen keinesfalls ausgeschlossen. Fehlende Planungssicherheit nennt man dies. Dorn nennt Anfang April, um „auf den Knopf“ zu drücken und die Organisationsmaschine mit einer gewissen Endgültigkeit anzuwerfen. Oder es kommt wie in den vergangenen beiden Jahren.

2020 hat man in Aichwald früh reagiert. Anfang März machte sich Corona in Europa breit, Anfang April sagte der MSC das Motocross für den folgenden Sommer ab. Im Dezember war dann klar, dass auch 2021 auf dem Schurwald kein Motocross gestartet wird. Mit dem 1. RMC Reutlingen war man überein gekommen, es aber auf dessen permanenter Strecke unterhalb der Achalm zu versuchen. Ursprünglich sollte dort im Juni Motocrosssport geboten werden, doch auch dieser Plan wurde durchkreuzt. Dann tat sich im September eine neuerliche Chance auf. Und tatsächlich: In Reutlingen wurden Rennen gestartet – vor immerhin 2000 Zuschauern. Neben den Reutlingern und Aichwaldern waren auch Helfer aus Gaildorf und Holzgerlingen im Boot. Es sei eine „brutal gute Zusammenarbeit“ gewesen, sagt Dorn. Doch diese soll nicht die Regel werden.

Der MSC Aichwald will wieder sein eigenes Ding machen. Im Plan für 2020 wie auch bei der Veranstaltung 2021 in Reutlingen hieß der Partner an MSC-Seite ADAC. Was nicht selbstverständlich ist. Denn nach einem Zerwürfnis im Jahr 2016 ruhte die Kooperation, die viele Jahre Rennen der MX Masters-Serie auf den Schurwald brachte. Erst Anfang 2020 gaben die Weggefährten bekannt, es wieder gemeinsam versuchen zu wollen. Doch der zunächst auf drei Veranstaltungen auf der Strecke „In den Horben“ ausgelegte Vertrag kam seitdem nicht zum Tragen. Und auch dieses Mal wird es in Aichwald keine Masters-Läufe geben.

Das hängt allerdings nicht mit dem Verhältnis zum ADAC zusammen, das sei nach wie vor intakt, sagt Dorn. Allerdings stoßen die Masters-Veranstaltungen in die Lücken, die der WM-Rennkalender lässt. Und diese Lücken gibt es dieses Jahr wenige, die vorhandenen vergab der ADAC bevorzugt an die Veranstalter, die zuletzt ohne Unterbrechung dabei waren. Letztlich wäre für Aichwald ein Masters Ende August/Anfang September möglich gewesen – in den baden-württembergischen Sommerferien. Das hätte sich womöglich auf den Zuschauerzuspruch ausgewirkt, entscheidend für das Nein an diesem Termin war aber die ausgedünnte Helferschar. Schon im Organisationsteam gab es etliche Absagen.

Nun wird also am 23. und 24. Juli gefahren, das Wochenende vor den Sommerferien. Samstags werden eine Nachwuchsklasse, Läufe auf 250-Kubikzentimeter-Maschinen und für den Ladies-Cup gestartet. Sonntags gibt es Läufe zu zwei weiteren Nachwuchsklassen und zu den DM Open. Letztere werden in der MX-Szene von der Klasse her eine Stufe unterhalb der Masters angesiedelt.

Ein straffes Programm, in Aichwald gab es selten ein umfangreicheres. Dorn ist davon überzeugt, „dass wir das im Griff haben“. Bestrebt ist man beim MSC, auch wieder ein Festzelt aufzustellen. Da kommt es aber bei Zeltvermieter und Band auf die vertragliche (Storno-) Ausgestaltung an. Die Hoffnung liegt natürlich auf einer „freien“ Veranstaltung, doch sei auch möglich, 3 G an der Strecke oder 2 G plus an den Festzeltabenden umzusetzen. Die Helferschar sei auf jeden Fall „heiß“ aufs neuerliche Anpacken. Und in manchen Bereichen könne man von den 2020 bereits angelaufenen Vorbereitungen profitieren, etwa dass die roten Helfer-Shirts bereits eingelagert sind. Manuel Dorn hat trotz der Rückschläge zuletzt Mut gefasst, dass in Aichwald wieder hochklassiger Motocrosssport präsentiert werden kann: „Ich bin vorsichtig optimistisch.“

Geschichte und Programm

Historie

Am 1. Mai 1964 veranstaltete der Motorsportclub „Eiserne Hand“ in Aichwald erstmals ein Motocross. Dies fand noch in den „Burgwiesen“ in Schanbach statt. Erst später folgte der Umzug auf die Strecke „In den Horben“ zwischen Aichschieß und Schanbach. Ein paar Rennen wurden sogar im Winter ausgetragen, der Sommertermin aber hat sich schnell etabliert. Sollte es stattfinden, wäre das Rennen in diesem Jahr das 60. Motocross in Aichwald.

Programm

Das für das Wochenende 23. und 24. Juli vorgesehene Rennprogramm ist umfangreich. Samstags sind Läufe zur DM 65 (der „jüngsten“ deutschen Meisterschaft für Acht- bis Zwölfjährige), zur DM 250 und zum Frauen vorbehaltenen Ladies-Cup angesetzt. Sonntags stehen zwei weitere Nachwuchsklassen – die DM 85 für Zwölf- bis 16-Jährige und die DM 125 für 14- bis 18-Jährige – sowie als sportlich hochkarätigstes Rennen die DM Open an.

Text: © Claus Hintennach/Esslinger Zeitung
Foto: Oliver Stilz
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