Beim 64. Motocross in Aichwald stehen sechs Klassen am Startgatter, die Seitenwagen und die Quads kehren zurück. Kiara Fontanesi startet – und Max Nagl.
Es läuft bei den Machern des Motocross Aichwald, dessen 64. Auflage am Wochenende über die Bühne der Rennstrecke „In den Horben“ geht und das ein besonders vielseitiges Programm bietet. Am Samstag und Sonntag stehen sechs Klassen am Startgatter – darunter erstmals seit 2019 wieder die Seitenwagen sowie die Quads, die 23 Jahre nach ihrem bislang einzigen Auftritt nach Aichwald zurückkehren. Dazu verbreitet die Italienerin Kiara Fontanesi weltmeisterlichen Glanz und in dieser Woche gab auch Aichwalds Vereinsfahrer und Publikumsliebling Max Nagl grünes Licht. Seine Wirbelverletzung ist ausgeheilt. „Wir sind total happy, dass er dabei ist“, sagt Manuel Dorn, der Vorsitzende des MSC „Eiserne Hand“ Aichwald über den 38-jährigen Oberbayer, „die Art und Weise, wie er Motorrad fährt, wie er mit dem Publikum umgeht, ist schon was Besonderes. Für ihn und für uns ist es das Saisonhighlight.“
Dorn sagt auch: „Wir sind bei gutem Wetter perfekt im Aufbauzeitplan.“ Es kann also losgehen. Neben den Starts von Fontanesi und Nagls sowie zahlreicher weiterer Spitzenfahrerinnen und -fahrern freut den MSC-Chef, dass „seit langem mal wieder mehrspurige Fahrzeuge da sind“ und dass bei den Seitenwagen sogar die deutsche Meisterschaft in Aichwald entschieden wird. Die Vierrad-Spezialisten versprechen jedenfalls packende Zweikämpfe und spektakuläre Drifts. Schon in den vergangenen Jahren gehörten die übrigen Klassen zum Rennprogramm: die DM Open, die Junioren der DM 250, die Jugendklasse bis 125 Kubikzentimeter sowie die Frauenklasse.
In der Open-Klasse nimmt Max Thunecke einen weiteren Anlauf auf den DM-Titel. In der Vorsaison hatte der 22-jährige Magdeburger den Titelkampf erst im letzten Rennen gegen Toni Hoffmann verloren – mit nur einem Punkt Rückstand. Aktuell führt Thunecke das Klassement an, dicht auf den Fersen sind ihm aber Peter König und Paul Haberland. König ist der 250er-Meister aus dem Jahr 2024 und hat bereits WM-Punkte gesammelt. Supercross-Spezialist Haberland stand unter anderem in der indischen Liga sowie beim größten Indoor-Event Europas in Paris am Startgatter.
Was Nagl, der sich auf die ADAC MX Masters konzentriert, bei den Männern an Erfolgen und Erfahrung verkörpert, ist Larissa Papenmeier in der Frauenszene. Die 36-jährige Ostwestfälin hat die Frauenklasse national und international über zwei Jahrzehnte hinweg geprägt. Ende Mai absolvierte sie in Teutschenthal ihren 100. und vermeintlich letzten Grand Prix, verabschiedete sich mit einem weiteren Top-Ten-Ergebnis emotional von den Fans am „Hang der Nationen“ – und führt in der DM-Wertung weiterhin unangefochten.
Eine Konkurrentin wird es Papenmeier auf dem Schurwald allerdings besonders schwer machen: Kiara Fontanesi hat sich kurzfristig für einen Start entschieden. Die 32-jährige Italienerin hat 2012 ihren ersten WM-Titel gewonnen und ließ fünf weitere folgen, die ersten vier davon in Folge – beides Werte, die bis heute unerreicht sind. Im aktuellen WM-Ranking liegt die zweifache Mutter, die seit 2016 der Sportgruppe der italienischen Staatspolizei „Fiamme Oro“ angehört, an zweiter Stelle mit nur sechs Punkten Rückstand.
In der Frauen-DM-Wertung liegt die Niederländerin Amber Simons auf dem 2. Platz. Ihr folgen die 20-jährige Alexandra Massury aus Berchtesgaden (2022 Europameisterin in der 125-Kubikzentimeter-Klasse) und Tanja Schlosser auf den Rängen drei und vier. Schlosser wurde im Jahr 2023 Europameisterin im Endurosport, derzeit favorisiert sie aber Motocross.
In der Juniorenklasse der DM 250 schickt der MSC Aichwald in Valentin Kees einen Favoriten ins Rennen. Der Oberbayer zeigt sich nur sporadisch bei den DM-Rennen, er fährt überwiegend den ADAC MX Youngster Cup und bei ausgesuchten WM-Veranstaltungen in der MX2-Klasse. Der 21-jährige Meister der 125er-Klasse aus dem Jahr 2021 lässt es sich aber nicht nehmen, beim DM-Rennen „In den Horben“ ans Startgatter zu rollen. In Aichwald steht Kees sogar vor dem Hattrick: Die Tagessiege in den vergangenen beiden Jahren sicherte er sich souverän, in allen vier Läufen sah er als Erster die Zielflagge. In der Meisterschaftswertung geht es derweil spannend zu: Linus Jung, der 125er-Meister aus 2023, führt knapp vor Fritz Greiner, dem Vizemeister der Vorsaison. Auch Ben-Lukas Bremser liegt noch in Schlagdistanz.
Bei den Seitenwagen hat sich das Gespann Adrian Peter/Julian Zimmermann eine sehr gute Ausgangsposition erarbeitet. Nachdem er mit verschiedenen Co-Piloten viermal Vizemeister wurde, will Peter nun unbedingt seinen ersten Titel einfahren. Auf Rang zwei liegen Leon Hoffmann und Leon Freygang, vor dem Duo Patrick Hengster und Justin Blume. Blume ist seit seinem Titelgewinn mit dem Esslinger MSC-Fahrer Tobias Blank im Jahr 2024 Mitglied im MSC. Und zwei weitere Clubkameraden, die den Helm zwischenzeitlich schon an den Nagel gehängt hatten, stehen noch mal am Startgatter: Marcel Faustmann aus Weilheim, zweimal Vizemeister, hat Max Frech, seinen Beifahrer aus dem Jahr 2017, reaktiviert. Die beiden wurden vor neun Jahren Vizemeister und haben auch zahlreiche gemeinsame WM-Einsätze auf dem Buckel.
In der Quad-Klasse fährt Jordi Niclas Gieler an der Spitze. Ihm auf den Fersen ist das Brüderpaar Matteo und Luca Stiller. In der 125er-Jugendklasse gibt es einen spannenden Vierkampf: Tim Schröter führt in der Meisterschaftswertung derzeit vor Finn Lange, Max Meyer und Raphael Hellmuth.
Der Zeitplan sieht am Rennsamstag die Junioren der DM 250 um Valentin Kees vor, außerdem gehen die Quads und die Seitenwagen an den Start. Am Sonntag eröffnet die 125-Kubikzentimeter-Jugendklasse das Rennprogramm, gefolgt von der Frauenklasse. Die DM Open bildet den Höhepunkt und Abschluss des Rennwochenendes. Zudem wird in Festzelt und Biergarten wieder gefeiert: Bereits am Freitagabend (10. Juli) sorgen die „VIP’s“ für Stimmung, tags darauf gefolgt vom „Hofbräu-Regiment“.
