Beim 64. Motocross in Aichwald gibt es eine souveräne Siegerin, einen knappen Gewinner, einen deutschen Seitenwagen-Meister und einen starken Valentin Kees.
Max Nagl musste nach kurzfristiger Zusage wieder absagen, aber Valentin Kees startete durch. Der MSC „Eiserne Hand“ Aichwald hat einen neuen Publikumsliebling, der auf absehbare Zeit in die Fußstapfen seines Vorbildes Nagl treten könnte. Der 20-Jährige stieg bei der 64. Auflage des Aichwalder Motocross gleich doppelt auf die Maschine, gewann die 250er-Klasse der Junioren souverän und kam bei den DM Open auf den starken 3. Platz. Hier gewann Tom Koch. Bei den Frauen war die sechsfache Weltmeisterin Kiara Fontanesi aus Italien nicht zu schlagen. Die Zuschauer hatten ihren Spaß und die Veranstalter waren zufrieden. 11 000 Fans kamen zu den Rennen, alleine weit mehr als 5000 am Rennsamstag, möglicherweise auch angelockt vom Finale der Seitenwagen.
„Ich bin überwältigt vom Zuschauerzuspruch bei diesen sommerlichen Temperaturen. Das zeigt den Stellenwert der Veranstaltung“, sagte der MSC-Vorsitzende Manuel Dorn und zog den imaginären Hut vor den vielen ehrenamtlichen Helfern.
Max Thunecke landete in der Open-Klasse hinter Koch aus Apolda, dem Ascherslebener Noah Ludwig und Kees zwar nur auf Platz vier, seine Führung in der Gesamtwertung aber behauptete der 22-jährige Magdeburger. Koch sicherte sich den Tagessieg durch den Erfolg im 2. Lauf vor Ludwig – im 1. Lauf war die Reihenfolge im Ziel anders herum. „Das war für Zuschauer doch gut zu sehen“, sagte Koch gut gelaunt zur Spannung auf der Strecke, „wir kommen gerne wieder.“
Nicht am Start war – doch – Max Nagl. Lange sah es so aus, dass der Clubfahrer des MSC und Liebling der Fans aufgrund einer Verletzung nicht starten könnte. Dann gab er Mitte der Woche grünes Licht – verletzte sich aber bei den letzten Vorbereitungen so schwer am Knie, dass er doch wieder absagen musste.
Bei den Frauen waren Kiara Fontanesi und Larissa Papenmeier eine Klasse für sich. Die sechsfache Weltmeisterin aus Italien fuhr in beiden Läufen einen Start-Ziel-Sieg ein, zumindest in der Nähe ihres Hinterrades war nur Papenmeier. Da Fontanesi die Rennen in Aichwald vor allem als Training für die Weltmeisterschaft nutzte, in der sie derzeit auf Platz zwei liegt, baute Papenmeier ihren Vorsprung an der Spitze der DM-Wertung mit ihrem 2. Platz aus. Elena Kapsamer als Dritte in Aichwald hatte schon einen gehörigen Rückstand.
Kurz nachdem der 20-jährige Kees auch den zweiten Lauf der deutschen Meisterschaften der Junioren in der 250er-Klasse gewonnen hatte, spielten die Veranstalter eine Audiobotschaft von Nagl aus dem Krankenhaus ein, in der er erklärte, warum er nicht kommen konnte und sein Bedauern darüber ausdrückte. Kees’ erste Gratulanten waren derweil seine Freundin und sein Bruder. „Es war top“, sagte er dann, „es gibt nichts zu verbessern.“ Dann dachte er kurz nach: „Doch, die Starts könnten besser sein.“
Im zweiten Lauf lag er zwar zunächst auf Platz drei, er benötigte aber nur zwei Runden, um nach vorne vorbeizuziehen – der Rest war eine Machtdemonstration. Der Tagessieg, es war nach 2024 und 2025 der dritte in Folge, war ihm sicher, vor dem DM-Führenden Linus Jung.
„Die Strecke liegt mir einfach“, sagte Kees. Das sei aber nicht der Grund dafür gewesen, warum der Oberbayer nun für den MSC fahre. „Ich wurde hier mit Liebe aufgenommen“, erklärte er. Es ist wohl eine klassische Win-Win-Situation. Die Aichwalder Motocross-Fans haben Kees jedenfalls schon ins Herz geschlossen – allerspätestens nach seinem beherzten Auftritt auch bei den „Big Boys“ der DM Open.
Bei der DM der Jugend in der 125er-Klasse hatte am Sonntag Finn Lange aus Eggesin die Maschine vorne. Der Rennsamstag gehörte den Junioren sowie den Quads und den Seitenwagen. Beide Klassen waren schon lange nicht mehr auf der Rennstrecke „In den Horben“ vertreten – und bei den Seitenwagen wurde hier gleich mal die deutsche Meisterschaft entschieden. Am Ende standen Adrian Peter und sein Partner Julian Zimmermann vom MSC Straßbessenbach sichtlich überwältigt ganz oben auf dem Treppchen, sowohl bei der Ehrung für den Tagessieg als auch bei der für den Meistertitel. Der stand bereits fest, nachdem das Duo den 1. Lauf hinter der deutsch-österreichischen Paarung Tim Prümmer/Patrick Schneider auf Rang zwei beendet hatte.
Prümmer und Schneider führten auch im 2. Lauf, ehe sie aufgrund eines technischen Fehlers ausfielen. „Ich bin in den vergangenen Jahren vier Mal Vizemeister geworden. Ich bin super happy, jetzt ganz oben zu stehen“, sagte Peter und Zimmermann fand es „einfach nur geil“. Zur Freude der heimischen Fans wurden Patrick Hengster mit seinem MSC-Beifahrer Justin Blume nach zwei starken Rennen Zweite der Tageswertung und erreichten damit den 3. Platz in der Endabrechnung der deutschen Meisterschaft.
Bei den Quadfahrern sicherte sich Manfred Zienecker die Tageswertung – und kündigte bereits seinen Auftritt für das kommende Jahr an.
