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13. Juli 2026

Kiara Fontanesi und der Platz an der Sonne

Der Superstar erzählt, warum sie in Aichwald fährt, warum sie nicht mehr turnt und wie schwer es war, nach der Babypause an die Weltspitze zurückzukehren.

Kiara Fontanesi sitzt im Fahrerlager im Schatten ihres Kleinbusses, um sie herum die Mitglieder ihres Teams und ihre Motorräder. Es sieht gemütlich aus. Aber man merkt, dass die 32-jährige Italienerin bereits fokussiert ist. Fokussiert auf ihren Job, auf die Rennen am nächsten Tag beim Motocross in Aichwald. Neun Stunden lang ist sie aus ihrem Heimatort Lesignano de’ Bagni in der Nähe von Parma in der Emilia-Romagna gefahren, um bei den DM-Läufen der Frauen in Aichwald mitzufahren. Um die DM-Wertung geht es ihr nicht. Gewinnen will sie natürlich trotzdem, wie immer, wenn eine Sportlerin zu einem Wettkampf antritt – und das klappte dann ja auch. „Für mich ist es ein Training, ich brauche Rennen“, sagt die Frau, die ein Superstar der Motocross-Szene ist. Entsprechend groß war die Freude bei Fans und Veranstalter, als sie sich für die zwei Läufe auf der Strecke „In den Horben“ meldete.

Fontanesi braucht Wettkampfpraxis. Denn sie will Weltmeisterin werden. Sie will wieder Weltmeisterin werden. Sechs Mal war sie das schon in den Jahren 2012 bis 2018, mit nur einer Unterbrechung. Dann bekam sie zwei Kinder, war raus. Der Fokus hat sich verändert. Der Ehrgeiz aber kehrte zurück.

„Ich hätte ein Männer-Rennen in Italien fahren können. Aber das hier bringt mir mehr“, erzählt Fontanesi, „ich fahre gerne in der DM.“ Dann schaut sie sich um: „Ich wusste nicht mehr, dass das hier in Aichwald so groß ist.“ Vor vielen Jahren war sie schon mal hier, da ist sie bei den Junioren, den männlichen Junioren, mitgefahren.

Fontanesi erzählt sehr offen, wie sie nach der Babypause und einigen Verletzungen zurückgekommen ist – und wie schwer es war. „Körperlich war es schwer, aber vor allem mental“, sagt sie. „Ich hatte die Zuversicht verloren.“ Und wie hat sie sie wieder bekommen? Durch Erfolge. Und eben durch die volle Fokussierung auf die Rennen. „Am Anfang habe ich meine Kinder zu den Rennen mitgenommen. Aber es klappt nicht, gleichzeitig Mutter und Leistungssportlerin zu sein. Du musst für die Zeit der Rennen deine ganze Konzentration darauf richten“, erklärt sie. Jetzt sind Skyler und Alaska, mittlerweile sechs und drei Jahre alt, daheim bei ihrem Vater, dem Kickbox-Profi Devin Parenti.

Fontanesi liebt den Motocross-Sport. „Aber es ist auch ein Job, das muss man sehen“, sagt sie. In einem Job ist man eben mal auf Dienstreise. Was sie da so tut, daran lässt sie ihre Fans via Instagram teilhaben. Dort bekommen sie durchaus auch Persönliches mit. Fontanesi macht es gerne. „Natürlich muss man auch was für Sponsoren posten. Aber es kommt ganz natürlich. Ich will mich zeigen, wie ich bin“, sagt sie. Das merkt man. Dass Fontanesi auf dem Motorrad zur Spitzensportlerin werden würde, war lange nicht klar. Als Kind fing sie mit dem Turnen an. Ihr Talent wurde entdeckt und sie trainierte nicht weit von daheim in Parma, damals eine der Kaderschmieden des sehr erfolgreichen italienischen Frauenturnens. Mit elf Jahren hörte sie aber wieder auf. „Ich wollte es nicht mehr“, erklärt sie. Der Druck war groß und außerdem „war man den ganzen Tag zum Training in einem Raum“.

Die junge Kiara zog es raus. Bis sie Motocross professionell betrieb, dauerte es aber noch ein paar Jahre. „Motocross ist auch sehr anstrengend und körperlich fordernd“, erklärt sie und fügt lachend hinzu: „Aber zumindest ist man an der Sonne.“ Die Basis, die sie beim Turnen gelegt hat, das Körpergefühl, hilft ihr aber freilich auch heute auf dem Motorrad. Dass ihre ältere Tochter Skyler auch turnt, findet sie okay. Zu einer Karriere in diesem Sport drängt sie sie aber nicht. Alaska liebt jetzt schon Motorräder.

Kiara Fontanesi will ihn auch in der WM-Wertung wieder haben, den Platz an der Sonne. Im Moment liegt sie im Tableau auf Platz zwei knapp hinter der Spanierin Daniela Guillen. Es wird wohl bei einem Zweikampf bleiben. Das ist der Stand nach zwei Läufen, insgesamt gibt es nur fünf – was Fontanesi ärgert. Ein schlechtes Rennen und das war es schon fast. „Sie haben versucht, es uns zu erklären“, sagt sie und zuckt mit den Schultern. Deshalb braucht sie weitere Rennen, um in der Routine zu bleiben. Der nächste WM-Lauf ist am kommenden Wochenende in Foxhill in Großbritannien, das Finale im September im australischen Darwin. Da ist der Aufwand noch deutlich größer als die neunstündige Anfahrt von Lesignano de’ Bagni über die Alpen nach Aichwald.